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Willkommen
Seit Wochen brennt die Sonne ungebremst vom Himmel. Im Juni und Juli hat es nicht einmal halb so viel geregnet wie in den beiden Vorjahresmonaten. Wie bringen wir unser Gemüse und uns selbst so gut es geht durch die heißen Tage?
35, 37, 38 Grad und mehr
Auf dem Acker und im Gewächshaus sind das Temperaturen, bei der jede Bewegung Schweißtropfen hervortreibt. Die Gedanken kreisen nur noch darum, möglichst schnell ins Kühle zu kommen.
Aber die Möhren wollen geerntet, die Tomaten ausgegeizt und die Reihen mit Brokkoli-Setzlingen gehackt werden. Egal, wie trocken und staubig es auf dem Feld ist. Egal, ob die Luft im Folientunnel wie im Dampfbad steht.
In diesem Jahr haben Hitze und Trockenheit viel früher als gewöhnlich eingesetzt. Im Juni und Juli ist hier auf dem Stockacker nicht einmal halb so viel Regen gefallen wie in den beiden Vorjahresmonaten: lediglich 70 mm (Liter pro Quadratmeter).
Das Regenwasser ist aufgebraucht
Kein Wunder, dass unser Regenwasserspeicher längst leer ist! Und der ist mit 500 Kubikmetern Fassungsvermögen schon ordentlich groß. Sämtlichen Dachflächen der Glasgewächshäuser und der Gebäude (5.000 Quadratmeter) sind an ein System zum Regenwasser sammeln angeschlossen. So versorgen wir in normalen Zeiten das Gemüse in den Gewächshäusern und Tunneln mit Wasser. Jetzt müssen wir unser Gemüse mit Grundwasser versorgen.
Die Kreisregner laufen öfter
Auch draußen fordert uns das Extremwetter ganz schön. Zurzeit beregnen wir das Gemüse mit Kreisregnern dreimal pro Woche für jeweils drei Stunden. Noch vor ein paar Sommern war es ausreichend, die Kreisregner zweimal pro Woche für zwei Stunden anzustellen. Jetzt sind es wöchentlich neun statt vier Stunden! Klar, dass das deutlich mehr Aufwand bedeutet. Die Leitungen müssen gelegt, alle 18 Meter ein Kreisregner angeschlossen werden. Zudem treibt der gestiegene Wasserverbrauch die Kosten in die Höhe.
Fraglos wäre es am besten, ausschließlich zu den Tagesrandzeiten zu bewässern. Aber abendliche Arbeitseinsätze wollen und können wir unseren Kolleginnen und Kollegen nicht zumuten. Und unser Gemüse nimmt keinen Schaden, wenn wir die Regner tagsüber anstellen – selbst in der prallen Mittagssonne.
Hobbygärtner fragen uns immer wieder, ob die Pflanzen dabei nicht verbrennen. Die Antwort ist jein. Auf behaarten Blättern können Wassertropfen wie ein Brennglas wirken, wenn der Abstand zwischen Tropfen und Blatt der Brennweite des Tropfens entspricht. Bei glatten Blättern gibt es diesen Effekt allerdings nicht – entsprechend müssen wir uns da keine Gedanken machen. Allerdings beobachten wir etwa bei unseren Buschbohnen verbrannte Blätter. Die Verbrennungen entstehen durch zu viel Sonnenstrahlung.
Ein weiteres Problem: Bei den tropischen Temperaturen steigt die Verdunstung. Normalerweise hacken wir die Beete regelmäßig, damit die Kapillaren in der Erde unterbrochen werden, die die Feuchtigkeit aus dem Boden in die Luft transportieren. Da bei jedem Beregnungsdurchgang die Böden an der Oberfläche leicht verschlemmen, sind die Kapillaren wieder geschlossen und müssten nach jeder Wassergabe erneut gehackt werden. Ein Aufwand, der nicht zu schaffen wäre und enorme Kosten verursachen würde.
In der Theorie könnte auch Mulchen eine sehr sinnvolle Maßnahme sein – so wie wir es im geschützten Anbau praktizieren. Im Freiland ist dies schon wegen der schieren Größe der Flächen keine Option: Zum einen bräuchten wir ungefähr die dreifache Fläche der Gemüsekulturen, auf denen das Mulchmaterial wachsen müsste. Zum anderen würde es einen enorm hohen Aufwand bedeuten, den Mulch zu ernten, zu transportieren und zu verteilen.
Doch Jammern bringt niemanden weiter. Die Klimakrise trifft alle Landwirtinnen und Landwirte. Einige stärker, die anderen weniger. Bei einem Kollegen in Niedersachsen hat es dieses Jahr insgesamt erst 50 mm geregnet! Dagegen sind wir hier im Rheintal in einer ziemlich komfortablen Situation.
Durchs Rheintal fließt ein unterirdischer Strom
Eine wichtige Rolle spielt unser eigener Tiefbrunnen, den wir 2013 in Betrieb genommen haben. Westlich der Bahngleise pumpen wir aus etwa 25 Metern Tiefe Grundwasser. Wusstest Du, dass der unterirdische Strom vom Rheinknie bei Basel bis zum Rheinknick bei Mainz eines der bedeutendsten Grundwasservorkommen in Europa ist? Dieser sogenannte Aquifer (von lateinisch wassertragend) ist von unschätzbarem Wert – und unser aller Aufgabe ist es, ihn vor Verunreinigungen zu schützen.
Humus speichert mehr Wasser
Heute ist die vorausschauende Investition in eine eigene Wasserversorgung ein Segen. Dasselbe gilt für den sorgsamen Umgang mit unseren Böden. Je mehr Humus im Boden, desto mehr Wasser kann dieser speichern. Mit Hilfe unseres selbst hergestellten Kompostes ist es uns gelungen, die Bodenqualität nach und nach zu verbessern.
Und wie schützen wir uns vor der sengenden Sonne?
In den Sommermonaten beginnen wir im Freiland um 6:45 Uhr mit der Arbeit. Da jede Viertelstunde zählt, starten wir gegenwärtig um 6:30 Uhr. Einige von uns stehen sogar schon um halb sechs auf dem Acker. Freiwillig wohlgemerkt - und weil sie keinen weiten Arbeitsweg haben. Für die Kolleg:innen, die aus Freiburg kommen – und einigermaßen ausgeschlafen in den Tag starten wollen, ist halb sieben schon ein Wort. Belohnt werden wir um diese Uhrzeit mit einem noch rötlichen Morgenhimmel und einem – relativ – kühlen Wind auf dem Ackerfahrrad.
Um halb zehn gibt es 30 Minuten Frühstückspause. Danach wird bis zum Mittagessen um halb eins weitergearbeitet. Am Nachmittag sind wir nur noch draußen, wenn es gar nicht anders geht. Hauptsächlich bereiten wir das geerntete Gemüse in der Halle auf. In früheren Jahren konnten wir nach der Mittagspause auch noch entspannt mit dem Schlepper unterwegs sein und draußen säen, hacken oder pflanzen – ohne dass ein Hitzschlag drohte. Solche Arbeiten müssen wir immer öfter auch auf den Vormittag verlegen und entsprechend umdisponieren. Überhaupt: Extreme Temperaturen und ein Acht-Stunden-Tag passen nicht wirklich zusammen. Entsprechend bauen die Kolleg:innen Überstunden ab oder Unterstunden auf oder nehmen auch mal einen halben Tag frei.
Ohne Sonnenhut, Kopftuch und Sonnencreme geht gar nichts.
Wer sich optimal schützen will, greift zu leichten, langärmeligen Oberteilen und langen Hosen. Im Gewächshaus bringt ein nasses Tuch um den Kopf gewickelt für eine Weile Erleichterung. Im Freien hilft es, das Hemd oder die Bluse gut mit Wasser zu tränken.
Wie geht es weiter mit der Landwirtschaft, wenn sich die Klimakrise verschärft? Braucht es strikte Vorgaben für den Einsatz von Wasser? Was ist wichtiger: die Wildwasserrutsche im Freizeitpark oder die Erzeugung von Lebensmitteln?
Diese und andere Fragen gehen uns durch den Kopf, wenn wir schwitzend auf dem Acker knien und unser Gemüse ernten. Die Antworten müssen wir als Gesellschaft gemeinsam finden.
Bei so vielen ernsten Themen freut es uns natürlich besonders, wenn wir Zuspruch von lieben Kunden bekommen. Etwa von Rahel:
„Vielen Dank für Eure Arbeit, alles leckere Gemüse und Obst, die superfrischen Lebensmittel. Ich schätze und genieße es sehr! ALLES GUTE & VIEL KRAFT für die heißen Tage.“
Hügelheim, im August 2026