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Was ist nötig, um Biolandwirtschaft zu finanzieren? 

Der Markt alleine wird es nicht richten. Philanthropisches Kapital kann den entscheidenden Unterschied machen.
 
Von Frank Eyhorn, stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der Piluweri eG

KI generiert: Eine Person zeigt den Rücken mit einem Shirt-Logo: "piluweri.de - Unsere Gärtnerei – unsere Genossenschaft".

An einem schönen Nachmittag, ich war 16, fragte mich meine Mutter, ob ich an einem Ausflug teilnehmen wolle, den sie für die lokalen Hobbygärtner organisiert hatte. Es war ein Versuch, sie zu inspirieren, auf chemische Spritzmittel zu verzichten. Das Ziel war ein nahegelegener biodynamischer Gemüsebaubetrieb. Ich hatte nichts Besseres zu tun, also ging ich mit.

Ich ahnte nicht, dass dieser Besuch meinen weiteren beruflichen Werdegang prägen würde.

Mir gefiel, was ich sah: Gesunde Böden. Vielfältige Anbauprodukte. Gärtner, die genau wussten, warum sie was taten. Ich verbrachte fortan einen Großteil meiner Freizeit dort, arbeitete auf den Feldern, verdiente mir etwas dazu und stellte unzählige Fragen.

Zeitsprung: 35 Jahre später.

Dieselbe Gärtnerei hat sich zu einem beachtlichen Betrieb entwickelt: rund 80 Mitarbeitende, die wöchentlich mehr als 1.200 Haushalte mit Gemüsekisten beliefern und biodynamische Erzeugnisse an Läden, Restaurants und Kantinen liefern. Doch das ist nur ein Teil der Geschichte.

Die Gärtnerei leistet noch viel mehr. Neben dem Gemüseanbau betreibt sie Züchtungsarbeit und Saatgutvermehrung, schult Menschen in ökologischen Anbaumethoden, zieht Setzlinge für Hobbygärtner groß und vermittelt ihr umfassendes Wissen an Interessierte – Schulkinder wie Erwachsene. Sie ist ein Begegnungsort, der ganz unterschiedliche Menschen anzieht. Kurzum: Sie agiert an der Schnittstelle von Produktion, Wissen und Gemeinschaft.

KI generiert: Vier Personen sitzen an einem langen Holztisch im Freien nahe einem Gewächshaus.

Die Gründer haben Piluweri über Jahrzehnte aufgebaut. 

Nun nähern sie sich dem Ruhestand – und stehen vor einer großen Herausforderung: Der Großteil ihrer Altersvorsorge ist im Betrieb gebunden. Um den Betrieb zukunftsfähig zu machen, haben sie beschlossen, ihn in eine Genossenschaft umzuwandeln. 

Die Genossenschaft soll denjenigen gehören und von ihnen geleitet werden, die auf sie angewiesen sind: Mitarbeitende, Kund*innen und Partner*innen.

Die Herausforderung ist jetzt, die Generationsübergabe zu finanzieren. 

Die Genossenschaft muss erhebliches Kapital aufbringen, um die Gründer auszuzahlen. Kein spekulatives Kapital. Kein Kapital für Wachstum um jeden Preis. Sondern Kapital, das einen fairen Übergang ermöglicht und gleichzeitig die Zukunftsfähigkeit des Betriebes sichert.

Daraus ergibt sich eine Kombination dreier Quellen:

1. Eigenkapital aus der Gemeinschaft

Langjährige Kundinnen und Kunden sowie Geschäftspartner werden durch den Kauf von Genossenschaftsanteilen zu Miteigentümern. Dadurch wird der Betrieb in seinem lokalen Umfeld verankert. Diese Mittel decken jedoch selten den gesamten Kapitalbedarf.

2. Bankfinanzierung

Kredite sind notwendig. Sie funktionieren aber nur unter realistischen Bedingungen. Biolandwirtschaftsbetriebe können keine hohen Zinsen oder starre Rückzahlungspläne verkraften, die saisonale und biologische Zyklen ignorieren.

3. Philanthropisches oder katalytisches Kapital

Dies ist in vielen Fällen das fehlende Puzzleteil. Langfristiges Kapital – ob in Form von zinsgünstigen Krediten, Bürgschaften oder eigenkapitalähnlichen Beiträgen – kann den entscheidenden Unterschied machen zwischen einem erfolgreichen Übergang und einer Überlastung der nächsten Generation.

Ohne diese dritte Komponente wird die Finanzsituation oft zu angespannt. Mögliche Folgen: wichtige Investitionen können nicht getätigt werden, der Druck auf die Entgelte steigt, fehlende Reserven machen den Betrieb anfälliger für exogene Faktoren wie aktuell steigende Treibstoffpreise.

KI generiert: Zwei Personen unterhalten sich an einem Stand im Freien. Im Hintergrund ist ein Plakat zu sehen.
KI generiert: Ein Mann hält eine Kiste mit frischem Gemüse vor einem Lieferwagen.

Warum sind Biobetriebe schwer zu finanzieren?

Von außen betrachtet wirkt die Gärtnerei wie eine Erfolgsgeschichte. Und das ist sie auch. Doch aus Sicht konventioneller Finanzierung erfüllt sie nicht die üblichen Kriterien:

• Sie investiert stark in wichtige, gemeinnützige Werte, die in der betriebswirtschaftlichen Bilanz nicht erscheinen: in Bodenfruchtbarkeit, Biodiversität und die Förderung von samenfestem Saatgut, in gärtnerische Ausbildung, ökologische Bildung und Aufklärungsarbeit.

• Sie betreibt einen diversifizierten Anbau und Direktvermarktung. Ökologisch gesehen ist das ein Vorteil, finanziell jedoch nicht: Denn die Diversität auf dem Acker und der Vertrieb in der Region sind natürlich begrenzt und kaum skalierbar. Im konventionellen Anbau hingegen und im Absatz über Supermärkte funktioniert die kapitalistische Logik: Die schiere Größe bringt den Vorteil, der Vorteil den höheren Gewinn, der höhere Gewinn das stärkere Wachstum. Und so weiter.

• Sie erwirtschaftet stabile, aber nicht übermäßige Renditen.

Kurz gesagt: Sie schafft Werte, die der Markt nicht vergütet. Werte, die dem Leben und der Erde dienen.

Wie sieht die Lösung aus?

Wenn wir es ernst meinen, die Biolandwirtschaft durch Betriebe wie diesen auszubauen, ist folgendes unerlässlich:

1. Hybride Wertschöpfung anerkennen

Die Betriebe agieren teils marktorientiert, teils im öffentlichen Interesse. Finanzierungsmodelle müssen dies widerspiegeln – durch die Kombination von kommerziellen, gemeinschaftsbasierten und philanthropischen Quellen.

2. Philanthropisches Kapital strategisch einsetzen

Philanthropie beschränkt sich nicht auf Zuschüsse. Sie kann:

• nachrangiges Kapital bereitstellen

• Niedrigzinsdarlehen mit langer Laufzeit anbieten

• Investitionen für Banken und lokale Investor*innen absichern

Sinnvoll eingesetzt, mobilisiert Philanthropie deutlich mehr Kapital, als sie bereitstellt.

KI generiert: Ein Mann lächelt in die Kamera, im Hintergrund ein Gewächshaus.

Taten statt Worte – und eine Einladung

Theoretische Erkenntnis alleine reicht nicht. Wir müssen ins Handeln kommen und ausloten, was machbar ist. Wie realisieren wir eine Finanzierungsstruktur, die Folgendes ermöglicht:

• einen angemessenen Ruhestand für die Gründer

• eine tragfähige Zukunft für die nächste Generation

• die kontinuierliche Bereitstellung von Lebensmitteln, Wissen und gesellschaftlichem Mehrwert

Biolandwirtschaft kann durch funktionierende Betriebe und Finanzierungen wachsen, die diese verstehen. Die Tür steht offen: für Beteiligungen, die Sinn stiften und wachsen lassen, was Zukunft braucht.

Hügelheim, im April 2026