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Die EU schleift den Schutz vor Gentechnik – 
Da machen wir nicht mit. Versprochen. 

Eine neue EU-Verordnung betrifft in erster Linie die konventionelle Landwirtschaft. Doch auch für die Biobranche hat der Wegfall der Kennzeichnungspflicht gentechnisch veränderter Pflanzen negative Folgen.

KI generiert: Eine Person bearbeitet Lebensmittel auf einem großen Tablett in einem Raum.

Die europaweite Protestwelle war richtig stark. Allein die EU-Abgeordneten haben mehr als 200.000 Mails erreicht. Noch einen Tag vor der entscheidenden Abstimmung des Europa-Parlaments fand in Straßburg eine große Demo statt. Wir waren auch dabei.

Doch der Protest hat die Mehrheit der Abgeordneten nicht zum Umdenken bewegt. Am 17. Juni 2026 haben sie die Kennzeichnungspflicht für gentechnisch veränderte Pflanzen mit einer neuen Verordnung gekippt. Mit allen damit verbundenen negativen Folgen für Landwirtschaft, Verbraucherinnen und Verbraucher.

Um was geht es genau?

Pflanzen, die mit Neuen Genomischen Techniken – auch bekannt als Genschere CRISPR/Cas – gezüchtet wurden, werden in der Praxis konventionell gezüchteten Pflanzen gleichgestellt.

Diese sogenannten NGT-1-Pflanzen, die auch durch zufällige Mutationen in der Natur oder herkömmliche Züchtungen hätten entstehen können, dürfen von 2028 an ohne jede Risikoprüfung, ohne Kennzeichnungspflicht und ohne spezielle Anbauregeln eingesetzt werden.

Für die Verbraucher:innen heißt das: Die Zutatenliste auf Lebensmittelverpackungen wird mit Bezug auf die Gentechnik vollkommen nichtssagend. Der Hinweis auf Gentechnik wird sozusagen geschwärzt.

Landwirt:innen können zwar noch entscheiden, welches Saatgut sie einkaufen. Denn beim Saatgut bleibt die Kennzeichnungspflicht bestehen. Aber nach dem Saatgut-Einkauf endet eben die Deklarationspflicht und alle nachgelagerten Produkte müssen nicht mehr gekennzeichnet sein.  

Eigentlich gilt in der EU das Vorsorgeprinzip: Stoffe, deren Wirkung nicht erforscht ist, dürfen nicht zugelassen werden. Gegen dieses Prinzip verstoßen die EU-Institutionen Rat, Kommission und Parlament nun selbst. Die Gentechnik-Lobby hat ganze Arbeit geleistet.

Die große Mehrheit der Bevölkerung lehnt den Einsatz von Gentechnik in der Landwirtschaft ab. Die Menschen wollen bewusst wählen können: Verbergen sich in meinem Essen gentechnisch veränderte Substanzen? Die Angst, gesundheitsgefährdende Lebensmittel zu sich zu nehmen, ist groß. Verständlich. Die ökologischen und gesundheitlichen Folgen der Genschere CRISPR/Cas sind nur unzureichend erforscht.

KI generiert: Knospen einer grünen Pflanze in einem Feld, Gewächshaus im Hintergrund.

Was ist die Genschere CRISPR/Cas?

Die Neuen Genomischen Techniken (NGT) umfassen moderne Verfahren wie die Genschere CRISPR/Cas. Anders als bei der bisher angewandten Gentechnik wird keine fremde DNA in eine Pflanze eingebaut. Mit CRISPR/Cas können bestimmte Erbinformationen gezielt eliminiert werden. Dadurch sind tiefgreifende Veränderungen an Pflanzen möglich.

Die EU macht sich die Argumente der Befürworter zu eigen: Die NGT-Pflanzen seien denen aus konventioneller Züchtung gleichwertig. Das ist wissenschaftlich jedoch nicht belegt. Auch kleinste Abweichungen im Erbgut können gravierende Auswirkungen haben, warnt das Bundesamt für Naturschutz.

Geht es den Befürwortern um mehr Klimaschutz und eine höhere Ernährungssicherheit? Da kann man viele Fragezeichen setzen. Vor allem profitiert die Agrarindustrie: Die Pflanzen sollen widerstandsfähig gegenüber bestimmten Pestiziden werden.

Die Bioverbände haben massiv protestiert

Die Bioverbände, Verbraucherschutz- und Umweltorganisationen sind seit Langem Sturm gelaufen gegen diesen „Irrsinn“, wie Tina Andres, die Vorstandsvorsitzende des Bio-Spitzenverbandes BÖLW zurecht sagt. Den Dammbruch hätte zuletzt nur noch das EU-Parlament verhindern können.  

In der entscheidenden Abstimmung am 17. Juni wollten die Fraktionen von Grünen, Sozialdemokraten und Linken mit Änderungsanträgen erreichen, dass das Parlament seine ursprünglich ablehnende Haltung gegenüber NGT-Patenten bestätigt und die Kennzeichnungspflicht beibehält. Doch sie konnten sich nicht durchsetzen. Konservative, Liberale und Rechtsnationale bzw. -extreme hatten sich bereits festgelegt. Sie wollten die neue Verordnung unbedingt. Hier ein ausführlicher Bericht dazu.

Es droht eine Welle von Patentierungen

Damit ist die Tür offen für eine weitere Ökonomisierung einer wesentlichen Ressource für unsere Ernährung: dem Saatgut. Schon jetzt erteilt das Europäische Patentamt jedes Jahr zig Patente auf Pflanzen. Die meisten davon sind mit Hilfe von Gentechnik entstanden. Im Bericht des Europäischen Patentamtes von 2025 wird die Bedeutung der Genschere für die steigenden Zahl von Patenterteilungen betont.

Der Bericht zeigt zudem, wie bedenklich die zunehmende Konzentration auf dem Saatgutmarkt ist. Wenige Big Player wie die deutsche Bayer AG, die  BASF AG, der US-Konzern Vylor und die Schweizer Syngenta, die inzwischen zum chinesischen Sinochem-Konzern gehört, werden immer mächtiger. Sie und andere Anbieter wittern das große Geschäft, indem sie sich ihre gentechnisch editierten Pflanzen patentieren lassen und an jeder Aussaat mit diesem Saatgut verdienen. Die ohnehin schon von ihnen abhängigen Landwirte und Landwirtinnen müssen sich noch stärker an sie binden.

KI generiert: Eine Person deutet auf hohe Pflanzen in einem Feld unter bewölktem Himmel.
KI generiert: Weiße Wildblumen auf einem Feld vor einer hügeligen Landschaft.

Bio bleibt von der Verordnung unberührt

In der Biolandwirtschaft werden die NGT1-Pflanzen weiterhin nicht erlaubt sein. Die EU-Verordnung bezieht sich ausschließlich auf konventionelle Züchtungen.

Dennoch müssen Bioanbauer gegebenenfalls damit umgehen, dass auf Feldern in ihrer Umgebung womöglich NGT-Saatgut verwendet wird und es zu einer sogenannten Abdrift kommen kann: Pollen der NGT-Pflanzen können durch Wind verbreitet werden. Raps- und Maispollen können mehrere Kilometer weit fliegen. Saatgut kann auch versehentlich am Wegesrand ausgesät werden. Die Gefahr, dass es zu ungewollten Vermischungen kommt, ist real. Und was einmal in die Umwelt gelangt ist, kann nicht wieder zurückgeholt werden.

Was heißt das alles für Piluweri?

Wir wollen keine gentechnischen Veränderungen bei unseren Pflanzen. Wir züchten eigene Sorten und setzen möglichst viele samenfestes Saatgut ein. 

Demeter-Anbau bedeutet arbeiten im Einklang mit der Natur. Genau das werden wir weiterhin tun. Dass dieser Weg richtig ist, spiegeln uns auch unsere Kundinnen und Kunden.

Auch in Zukunft werden wir ausschließlich Sorten verwenden, die ohne Gentechnik gezüchtet wurden – entweder aus unserer eigenen Züchtungsarbeit oder aus Quellen, bei denen wir sicher sein können, dass diese Techniken nicht angewendet wurden.


Unsere Anbauflächen bewirtschaften wir weiter nach den strengen Demeter-Regeln - gut für die Natur, gut für uns alle.

Wie geht es weiter?

Bio-Erzeuger und -Verarbeiter zeigen jetzt erst recht klare Kante: indem sie verstärkt zusammenarbeiten und die ökologische Saatguterzeugung weiter ausbauen. Initiativen wie No Patents on Seeds und  Save our Seeds klären auf und vernetzten die Gentechnik-Gegner.
Beim Demeter-Verband gibt es ebenfalls wertvolle Infos. 

Auch der Europäische Gerichtshof (EuGH) könnte dem Ganzen einen Riegel vorschieben. Wer gegen die Verordnung beim EuGH klagt, hat möglicherweise gute Chancen. 2018 hatte das oberste Gericht in der EU entschieden, dass NGT-Pflanzen unter das strenge Gentechnikrecht fallen. Begründung: Es handelte sich um eine neue Technik, mit der wenig Erfahrung vorliege. Die Richter haben sich auf das Vorsorgeprinzip berufen. Wir sind gespannt, wie sich der EuGH im Falle einer Klage positionieren wird.

KI generiert: Ein Holzbehälter voll mit geernteten gelben Rüben.